Beschreibung des Ausschreibungsverfahrens
Polymerprodukte unterscheiden sich nach Ladungstyp, Ladungsdichte, Molekulargewicht und Struktur, so dass deren Eignung je nach Anwendung und Eigenschaften der Klärschlammsuspension und der örtlichen maschinellen Entwässerung zu bestimmen ist. Vor diesem Hintergrund ist zur Ermittlung eines geeigneten Produktes folgendes Verfahren vorgesehen:
Das Vergabeverfahren wird in zwei Stufen auf Grundlage des § 16 VgV als Verhandlungsverfahren mit vorgeschalteten öffentlichen Teilnahmewettbewerb durchgeführt.
1. Teilnahmewettbewerb (Stufe 1)
Zur Prüfung der Qualifikation ist ein Teilnahmeantrag mit folgenden Eignungsnachweisen einzureichen:
I. Referenzen von mindestens zehn kommunalen Kläranlagen, die mittels Band-eindicker / Dekanter entwässern und eine Ausbaugröße von mindestens 50.000 Einwohnergleichwerten (EGW) besitzen. Die Referenznachweise dür-fen nicht älter als fünf Jahre sein und müssen folgende Angaben enthalten: Ge-schäftsjahr/Vertragslaufzeit, Objektbeschreibung/Lieferort, Art der Leistung, Leistungsumfang, nach Möglichkeit auch Adresse und Kontaktdaten des Auf-traggebers.
II. Angaben zum für Münster vorgesehenen Anwendungstechniker
a. fachliche Qualifikation (z. B. Chemieingenieur/-techniker oder gleichwertig)
b. Referenzen von mindestens fünf Kläranlagen mit der Ausbaugröße von mind. 50.000 EGW, die vom Anwendungstechniker in den letzten 5 Jahren betreut wurden.
Der Bewerber übergibt im Rahmen der ersten Stufe des Teilnahmewettbewer-bes neben den Eignungsnachweisen gemäß "Eigenerklärung für nicht präqualifizierte Unternehmen im Vergabeverfahren (VgV)" die fachspezifischen Dokumente I. bis II. für die Prüfung der Eignung an den AG. Bei fehlenden oder unvollständigen Referenzen oder Angaben wird die Bewerbung nicht weiter berücksichtigt.
Nach § 16 (4) VgV werden diejenigen Bewerber, bei denen eine positive Eignungsprüfung durch den AG erfolgte, zur Durchführung von Laborversuchen an anlagenspezifischen Schlammproben zwecks Angebotsabgabe (Stufe 2) aufgefordert.
2. Angebotsphase (Stufe 2.1)
In der Angebotsphase werden den in Stufe 1 qualifizierten Unternehmen anlagenspezifische Schlammproben zur Verfügung gestellt.
Dazu werden zu einem bekannt gegebenen Termin (geplanter Termin 42. KW 2026) auf der jeweiligen Kläranlage Schlammproben gezogen, geteilt und an die in-teressierten Bieter nach Terminvorgabe übergeben. In betriebseigenen Laborver-suchen der Bieter werden mit diesen Schlammproben ein geeignetes Primärprodukt sowie ggf. ein Alternativprodukt durch den Bieter bestimmt.
Parallel werden die Schlämme im Labor der Hauptkläranlage mittels 3-fach-Bestimmung untersucht. Die sich daraus ergebenden Mittelwerte für pH-Wert, TS, TR, GV und CST0 dienen als Referenzwerte für die spätere Überprüfung der Er-gebnisse der AN.
Folgende Daten zu den Laborversuchen sind nach Auswertung der Versuche beim AG anzugeben:
Einheit LOS 1 LOS 2 LOS 3
Angaben zum Produkt Produkt Alternativ Produkt Alternativ Produkt Alternativ
Produktbezeichnung [-]
Analyse Schlammprobe
pH-Wert [-]
TS [g/l] entfällt entfällt entfällt entfällt
TR [%] entfällt entfällt
GV [%]
CST0-Wert * [s]
Ergebnisse pFM-Versuche
Reifezeit [min]
pFM-Verbrauch [kgHW / tTR]
Produktpreis [EUR / kgHW]
* = Kapillare Fließzeit nach DIN EN 14701-1 (2006a), wobei CST0 = Messwert im unbehandelten Schlamm
Die Ergebnisse der Laborversuche, sowie die Einheitspreise sind in dem Leistungsverzeichnis (LV Polymere Flockungsmittel) für jedes Los und jedes Produkt einzutragen.
Neben dem ausgefüllten Leistungsverzeichnis sind folgende Unterlagen schrift-lich/digital einzureichen
1. Technische Daten zu den je Los max. zwei vorgesehenen Produkten
2. Sicherheitsdatenblätter zu den je Los max. zwei vorgesehenen Produkten
Der Bewerber übergibt im Rahmen der Angebotsphase die Ergebnisse der eigenen Laboruntersuchungen sowie die produktspezifischen Unterlagen. Die Ergebnisse des AN bzgl. pH-Wert, TS, TR, GV und CST0 werden jenen des AG gegenüberge-stellt. Bei Abweichungen > 15 % wird die Bewerbung nicht weiter berücksichtigt. Sind die Daten vollständig und plausibel, wird ein Ranking unter Berücksichtigung der Angaben zum Verbrauch und des Produktpreises erstellt. Die im Ranking der Primärprodukte wirtschaftlichsten 3 Bieter jedes Loses werden nach § 16 (4) i. V. m. § 51 VgV zu großtechnischen Versuchen auf die Kläranlagen eingeladen.
Das Ranking ergibt sich aus der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Verbrauchs-kosten nach:
Verbrauchskosten [EUR/ t TR] =
pFM-Verbrauch [kg HW/ t TR] x Produktpreis [EUR/ kg HW]
Führt die Bewertung der Angebote der Primärprodukte anhand der Verbrauchskos-tenberechnung zu einer Ranggleichheit von mehr als drei Angeboten je Los, wird die Rangfolge unter diesen Angeboten durch Losentscheid ermittelt. Das Losver-fahren wird von der Vergabestelle unparteiisch, transparent und unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes durchgeführt.
Die Entscheidung wird in der 47. KW 2026 eingeplant.
3. Praxisphase (Stufe 2.2)
Im Rahmen der Praxisphase werden die im Ranking der Primärprodukte wirtschaftlichsten 3 Bieter für jedes Los zu großtechnischen Versuchen auf die Kläranlagen eingeladen.
In diesen großtechnischen Versuchen werden die in Stufe 2 eingereichten Ergebnisse der Bieter-Laborversuche inkl. der angegebenen Verbrauchsmengen unter realen Einsatzbedingungen auf den Kläranlagen auf ihre Richtigkeit überprüft.
Innerhalb von einer Woche werden das vom Bieter ausgewählte Produkt oder ggf. das Alternativprodukt auf den Kläranlagen eingesetzt.
Die Versuche werden durch einen Abwassermeister des AG durchgeführt und die Ergebnisse dokumentiert. Die Teilnahme eines Anwendungstechnikers seitens der Bewerber wird vorausgesetzt.
Das für diese Versuchsphase erforderliche Produkt wird durch den AG vergütet (laut Preisangabe aus Stufe 2).
Ablauf der Versuchswoche je Los:
Die Verpackungseinheiten (z. B. Kanister, IBC) sind durch den AN in Abhängigkeit der geschätzten Verbräuche zu wählen und in Abstimmung mit dem Abwasser-meister zu liefern.
Montag: Einbringen des Produktes in die Polymeraufbereitungsanlage auf der Kläranlage Dienstag: Einfahrphase und Optimierung
Mittwoch: 90-minütige Leistungsfahrt und Beprobung/Dokumentation durch
den AG
Donnerstag: Ende des Versuches, Abbau
Freitag: Ersatztag*
* = Sollte es Mo-Mi zu unvorhersehbaren Störungen kommen, kann die Leistungs-fahrt in Abstimmung mit dem verantwortlichen Abwassermeister auf den Donners-tag verlegt werden. In diesem Fall endet der Versuch freitags.
Wird vor der Leistungsfahrt (Mo-Di) bereits festgestellt, dass das ausgewählte Produkt die geforderten Leistungen nicht erreicht, kann das vom Bieter in Stufe 2 benannte Alternativprodukt in Abstimmung mit dem Abwassermeister eingesetzt und damit die Leistungsfahrt durchgeführt werden.
Im Rahmen der Leistungsfahrt werden durch das Labor des AG Proben genommen und analysiert. Als Proben werden drei Stichproben, die im Abstand von jeweils 30 Minuten entnommen werden, zu einer Mischprobe vermengt.
Jeweils 250 ml vom angelieferten pFM, ggf. vom alternativen pFM sowie von dem im Versuch verwendeten pFM-Ansatz werden abgefüllt und als Rückstellprobe im Labor gelagert.
Während der Leistungsfahrt werden durch den AG weitere Betriebsdaten doku-mentiert (u. a. Beschickungsmenge, Verbräuche, Maschinenkennwerte). Protokolle zum großtechnischen Versuch sowie zur Analytik sind zur Kenntnisnahme beige-fügt.
Termine der großtechnischen Versuche
Die großtechnischen Versuche auf den Kläranlagen werden zu folgenden Terminen durchgeführt:
Los 2 und Los 3 werden parallel durchgeführt:
49. KW 2026: Bieter 1
50. KW 2026: Bieter 2
51. KW 2026: Bieter 3
Los 1:
1. KW 2027: Bieter 1,
2. KW 2027: Bieter 2
3. KW 2027: Bieter 3
4. Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebotes (Stufe 2.3)
Nach Durchführung der großtechnischen Versuche werden die protokollierten Er-gebnisse ausgewertet. Das Ranking zur Auftragserteilung ergibt sich aus dem Er-reichen des geforderten Abscheidegrads und der Wirtschaftlichkeitsberechnung auf Basis des erreichten TR im Austrag, der tatsächlichen pFM-Verbrauchsmenge sowie der angebotenen Produkt-Kosten (EP).
Sofern der vom Bieter im Angebot (2. Stufe) genannte Verbrauchswert im Rahmen der Leistungsfahrt nicht erreicht wird (Abweichung > 20 %), scheidet das entspre-chende Produkt bei der Auswertung aus.
Berechnung des Abscheidegrads
[siehe Verfahrensablauf_Bewerbungsbedingungen Seite 7 unten.]
Nach erfolgter Auswertung der Ergebnisse der Leistungsfahrten erfolgt die preisliche Wertung der 3 Angebote getrennt für Los 1, Los 2 und Los 3. Auf Grundlage der nachstehenden Wertungsberechnung erfolgt die Auftragserteilung für die Lose 1, 2 und 3 an das jeweils wirtschaftlichste Angebot.
5. Berechnung der Gesamtbewertung - Ranking (Stufe 2.4)
A= (B x C x D) - E
A = Wertungspreis, Preis pro Tonne TR [EUR /t TR] unter Berücksichtigung
Skonto, TRAustrag, Verbrauch
B = Verbrauch an Handelsware bei der Leistungsfahrt [kgHW/t TR]
C = Preis pro kg Handelsware [EUR/kgHW]
D = 100 % - Skonto [%]
TRVersuch = Ergebnis aus der Praxisphase [%]
TRMin = 5,5 [%] (Los1); 26 [%] (Los 2); 25 [%] (Los 3)
E = Preisabzug [EUR/tTR] = Differenz TRVersuch [%] - TRMin [%]
Zuschlagskriterium für jedes Los ist der niedrigste Wertungspreis.
Den Zuschlag erhält für jedes Los das Angebot mit dem niedrigsten Wertungspreis.
Führt die Bewertung der Angebote anhand der vorstehenden Wertungsberechnung zu einer Ranggleichheit auf dem ersten Platz (Ermittlung des wirtschaftlichsten An-gebots je Los), wird der Zuschlag durch Losentscheid ermittelt. Das Losverfahren wird von der Vergabestelle unparteiisch, transparent und unter Wahrung des Gleichbehandlungsgrundsatzes durchgeführt.
Die Entscheidungen der Auswertungen werden ca. in der 6. KW 2027 mitgeteilt.